Bauwerksabdichtung > Bauphysikalische Fehler


Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie viel Feuchtigkeit ein Mensch pro Tag im Haushalt produziert ? Zum Beispiel durch:

- Atmen und schwitzen bis 2,5 l / Tag
- Aquarien, je nach Größe bis 1,2 l / Tag
- Kochen und braten bis 0,8 l / pro Gericht
- Duschen bis 1,5 l / pro Person
- Baden bis 1,0 l / pro Person
- Pflanzen, je nach Größe bis 0,5 l / je Pflanze
- Wäsche aufhängen bis 2,0 l / je Waschtrommel

Auf diese Weise entstehen in einem deutschen Haushalt durchschnittlich bis zu 14 Liter Kondenswasser täglich ! Außenbauteile müssen neben den natürlichen Lüftungsmöglichkeiten zwangsläufig in der Lage sein, diese Feuchte aufzunehmen und wieder an die Außenluft abzugeben.
Ähnlich wie Wärme hat Feuchtigkeit, in Form von Wasserdampf, ein Ausgleichsbestreben. Wasserdampf strömt immer in Richtung der absolut trockeneren Luft ! Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist die Lufttemperatur. Je wärmer die Luft ist, umso mehr Feuchtigkeit kann sie auch aufnehmen. In der Bauwerkskonstruktion muss der Diffusionsdurchlasswiederstand der einzelnen Schichten ( Putz, Mauerwerk, Wärmedämmung, Klinker usw.) von innen nach außen abnehmen.

Daher ist ein wärmegedämmtes und zweischaliges Mauerwerk weniger feuchteanfällig, als beispielsweise eine verputzte, ungedämmte Betonwand. In der Bauphysik gibt es entsprechend der Jahreszeit 1440 Winterstunden (60 Tage) und 2160 Sommerstunden (90 Tage). Die restliche Zeit (Herbst und Frühling) ist bauphysikalisch weniger von Bedeutung, da sich die Temperaturunterschiede zwischen Außenluft und Innenluft nicht bedeutend voneinander unterscheiden.

Die Winterstunden werden als Tauperiode und die Sommerstunden als Verdunstungsperiode bezeichnet. Wenn in einem Bauwerk der Wandaufbau und die Wärmeleitfähigkeitsgruppe der einzelnen Materialien bekannt ist, lässt sich über die ermittelten Diffusionsstromdichten feststellen, ob ein Tauwasserbefall vorliegt.

Oder vereinfacht ausgedrückt:

Die Verdunstungsmenge muss immer größer als die Tauwassermenge sein. Wenn das in der Tauperiode im Baukörper anfallende Tauwasser in der Verdunstungsperiode nicht völlig verdampfen kann, bleibt jedes Jahr eine Restfeuchte im Baukörper zurück. Es ist eine Taupunktunterschreitung entstanden. Sammelt sich nun im Laufe der Zeit immer mehr Wasser im Baukörper, durchnässen natürlich auch die Dämmmaterialien. Die Wärmeleitfähigkeit nimmt drastisch zu und die Dämmeigenschaften verschlechtern sich. Enorme Energieverluste und höhere Heizkosten sind dann die Folge. Erhöhte Luftfeuchten lassen sich auch messtechnisch sehr einfach feststellen.

Generell gilt eine permanent erhöhte, relative Luftfeuchte von über 60 % als äußerst bedenklich. Der optimale relative Luftfeuchtegehalt liegt zwischen 50 und 60 %. Eine weitere, nicht zu unterschätzende Ursache für Innenkondensation in AltbauWohnungen, sind gravierende Fehler im Mauerwerksbau. In der Nachkriegszeit beispielsweise wurden alle Materialien vermauert, die irgendwie aufzufinden waren. Durch die unterschiedlichen Festigkeiten und Wärmeleitfähigkeitsgruppen der verarbeiteten Materialien, waren die Feuchtigkeitsschäden schon vorprogrammiert.

Es ist durchaus nicht als Witz zu verstehen, dass wir bei Abbrucharbeiten in Wänden schon aufgeschalten Magerbeton, vermauerte Briketts (!), Zeitungen oder Holz vorgefunden haben. Taupunktunterschreitungen treten sehr häufig auch punktuell auf. ( z.B. an ungedämmten Betonstürzen oder Kragplatten (Balkonen). Ungedämmte und besonders dichte Bauteile nennt man in diesem Zusammenhang auch Wärmebrücken. Während sich bei geometrischen Wärmebrücken (z.B. Zimmerecken) formbedingt nicht ohne weiteres Sanierungen durchführen lassen, bieten sich bei materialbedingten Wärmebrücken (z.B. Fensteranschlüsse, Stahlträger) fast immer geeignete Möglichkeiten. Wärmebrücken und Energieverluste lassen sich darüber hinaus auch zerstörungsfrei durch eine Thermographie mit Hilfe einer Infrarotkamera sicher feststellen. 

                               
Bild 1                                                                            Bild 2

Feuchte Stelle in einer Zimmerecke, die Gebäudeaufnahmen wie diese zeigen ohne Infrarotbild augenscheinlich noch zerstörungsfrei Wärmebrücken und nicht zu erkennen wäre Auch neuwertige, doppeltverglaste Fenster und Türelemente tragen durch ihren sehr geringen Fugendurchlasswiederstand dazu bei, Kondenswasserbildung zu verstärken und Bauschäden herbeizuführen. 

Vorbeugend hilft hier nur ein optimales Lüftungsverhalten (Stoß- u. Querlüftung). Wichtig ist ein schnelles Lüften (Stoßlüften), wobei die Heizung abgeschaltet (um Wärmeverluste zu vermeiden) und Fenster und Türen weit geöffnet sein müssen. Ca. 5- 10 Minuten Durchzug (Querlüften), um einen kompletten Luftaustausch herbeizuführen. Der Vorgang ist 3-4 mal täglich zu wiederholen.


10/2000 Copyright © - Grebing-Bauunternehmung